Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wissen

Der unbekannte Schluck im Glas

Es gibt Weinbauregionen, die nur echten Experten wirklich vertraut sind. Dort befindliche Weingüter bisweilen aber nicht einmal ihnen. Doch diese mitunter eher Kleinen bringen oft Großes hervor. Ob in Frankreich, in Portugal, auf spanischem Festland oder auf der Insel Teneriffa. Man kann dem Herbstnebel entfliehen. Auch dem Wintergrau kann man für den Moment ein Schnippchen schlagen. Man braucht nur den richtigen Wein einzuschenken. Einen „Trousseau de Messagelin“ aus dem Hause „des Cavarodes“ beispielsweise, Jahrgang 2014. Ein Rotwein aus dem französischen Jura, nur 11,5 Prozent Alkohol und im Idealfall auffallend gekühlt. Schließt man nun die Augen und lässt Zunge und Gaumen eins werden mit der knackigen Frucht und der malzigen Note, wähnt man sich im Nu auf einer Terrasse im sommerlichen Süden oder überhaupt gleich am Strand. Die Luft schmeckt nach Pinienwald und Meer, der Wein ist leicht, die Nacht könnte lang werden… „Händisch ins Holzfass hineingerebelt“, sagt Steirereck-Sommelier René Antrag nach einem geradezu ehrfurchtsvollen Schluck. „Auf den ganzen Trauben vergoren, anschließend abgepresst und in großen, alten Holzfässern bis zur baldigen Abfüllung gereift. Ein großartiger Wein.“ …

Bitte zu Fisch

Besser als gut – Süßwasserfisch aus Wildfang garantiert Geschmackserlebnisse der besonderen Art. Am Hallstättersee im Salzkammergut gehen die Österreichischen Bundesforste dieser nachhaltigen Art des Fischfangs nach. Die Traun, das ist bekannt, fließt in den Hallstättersee. Aber sie fährt auch auf ihm. Angetrieben von 199 Ps und extra für diesen See und seine Berufsfischer in einer Werft in Linz gebaut. Es ist Freitag, fünf Uhr in der Früh. Maximilian Peinsteiner, 25 Jahre jung und Fischereimeister der Österreichischen Bundesforste, ist gemeinsam mit seinem 33-jährigen Kollegen, dem studierten Biologen Alexander Scheck, auf dem Weg von Hallstatt hinüber ans gegenüberliegende Ufer. Am Himmel hängen letzte Fetzen nächtlicher Regenwolken, der Dieselmotor tuckert erstaunlich ruhig, der See liegt spiegelglatt da und die vorhin noch zögerlichen Versuche der Sonne, sich ihr sommerliches Recht zu verschaffen, legen merklich an Intensität zu. Ein paar Minuten noch, dann ist das Postkartenidyll perfekt. „Die Wildfangsaison startet im Juli und endet im Oktober“, sagt der Fischereimeister und steuert jene Stelle an, an der das Seil, an dem das Netz hängt, mit einem angebundenen Stein im seichten Wasser …

Wie bei Mama

Mittags gibt es im Steirereck etwas zu essen, das auf keiner Karte steht. Und das kein Gast bestellen kann. Das Personalessen. Und alle, die im kulinarischen Orchester der hohen Küche des Steirerecks mitstreichen, mitzupfen, mittrommeln und mitposaunen, kommen turnusmäßig an die Reihe, um für ihre Peers ein Mittagessen auf den Tisch zu zaubern. Und da von den 90 Mitarbeitern im Steirereck 45 aus anderen Ländern stammen, verpasst auch Küchen-Dirigent Heinz Reitbauer keinen dieser Multikulti-Mittagstische. Barbara van Melle, Chefin von Slow Food Österreich und selbst gerne Gast in den Küchen der Welt, wollte wissen, woher die halbe Steirereck-Mannschaft genau kommt, welche Geschmackswelten sie mitbringt, ob diese auf die Küchenlinie des Steirerecks Einfluss haben oder diese auf andere Weise definieren. Sie befragte fünf Steirereck-Mitarbeiter aus fünf ganz verschiedenen Ecken der Welt. Und entdeckte ein lustvolles Mit- und Nebeneinander von Ideen, Traditionen und Konzepten vom Kochen und vom Essen. Ein Lokaltermin mit Heinz Reitbauer, Ghan Fatrat, Benjamin Charles Allen, Marinjes Snezana, Antonino „Nino“ Gullo, Szabolcs Tar und Barbara van Melle. ALLE WOLLEN KOSTEN   DIE ELEGANZ IST GANZ …

Der Süden im Osten

Im Barock waren sie bloß Zierde, aber nicht einmal das hat sie verbittert, die Zitronen, Limetten, Bergamotten und Pomeranzen. Zitrusfrüchte sind durch und durch sonnige Gemüter. Das beweisen sie in Schönbrunn, wo sie sich zur umfangreichsten Zitrussammlung Europas ausgewachsen haben. Das Stück Land, wo die Zitronen blühen, liegt einen Steinwurf vom Schloss Schönbrunn entfernt im 13. Wiener Gemeindebezirk. Es nennt sich Feldgarten, gehört den Bundesgärten und ist innerhalb der Schloss­ mauern von Schönbrunn zu finden; auf der einen Seite flankiert von einer hohen Mauer, die den Lärm der Grünbergstraße erstaunlich gut abhält, auf der anderen von Flanierwegen des Schlossparks Schön­ brunn, abgetrennt durch schmiedeeiserne Zäune. Dass hier eine der bedeutendsten Zitrussammlungen Euro­pas beheimatet ist, würde niemand vermuten. Gut für den Schutz der Früchte und für Zitrusgärtner Heimo Karner, der die Anfragen nach seltenen Exemplaren ohnehin fast immer abschlägig beantworten muss. Das war aber nicht zu allen Zeiten so. Seit 1542 auch in Wien zu Hause Angefangen hat alles zu Beginn des 16. Jahrhun­derts, als, wie an europäischen Höfen üblich, auch in Wien verschiedene Zitrusarten angeschafft …